Junior Depot vs. eigenes Depot: Was ist besser für mein Kind?

- Junior Depot: Steuervorteile (13.000€+ steuerfrei), aber Kontrollverlust mit 18.
- Eigenes Depot: Volle Kontrolle, aber deine Freibeträge werden belastet.
- Unsere Empfehlung: Bei Beträgen bis ~50.000€ überwiegen meist die Vorteile des Junior Depots.
Die Grundsatzfrage: Wem gehört das Geld?
Bevor du ein Depot eröffnest, musst du eine wichtige Entscheidung treffen: Läuft das Depot auf den Namen deines Kindes (Junior Depot) oder auf deinen eigenen Namen?
Diese Entscheidung ist nicht mehr rückgängig zu machen. Geld, das einmal dem Kind gehört, kann nicht einfach zurückgeholt werden. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die Vor- und Nachteile.
Option 1: Das Junior Depot (auf den Namen des Kindes)
So funktioniert es
Ein Junior Depot ist ein vollwertiges Wertpapierdepot, das rechtlich dem Kind gehört. Du als Elternteil bist lediglich der Verwalter bis zum 18. Geburtstag. Danach hat dein Kind die volle Verfügungsgewalt.
Vorteile des Junior Depots
1. Eigene Steuerfreibeträge
Das Kind hat eigene Freibeträge, die du nutzen kannst:
| Freibetrag | Betrag 2026 |
|---|---|
| Sparerpauschbetrag | 1.000 € |
| Grundfreibetrag | 12.348 € |
| Sonderausgabenpauschale | 36 € |
| Gesamt | ~13.384 € |
Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) kann dein Kind also über 13.000 € Kapitalerträge pro Jahr komplett steuerfrei vereinnahmen. Das ist besonders bei größeren Summen oder langen Laufzeiten ein enormer Vorteil.
2. Deine eigenen Freibeträge bleiben unberührt
Die 1.000 € Sparerpauschbetrag, die du selbst hast, werden nicht belastet. Bei Familien mit mehreren Kindern potenziert sich dieser Vorteil.
3. Frühzeitige Finanzbildung
Das Kind wächst mit dem Bewusstsein auf, dass es ein eigenes Depot hat. Das kann die finanzielle Bildung fördern.
Nachteile des Junior Depots
1. Kontrollverlust mit 18
Am 18. Geburtstag geht das gesamte Vermögen unwiderruflich an dein Kind über. Du hast dann keinerlei Mitspracherecht mehr. Ob das Geld für ein Studium oder einen Sportwagen ausgegeben wird, liegt allein bei deinem Kind.
Praxis-Tipp: Viele Eltern fürchten diesen Moment. Aber: Wer sein Kind 18 Jahre lang finanziell erzieht, hat gute Chancen, dass es verantwortungsvoll mit dem Geld umgeht.
2. Mögliche Auswirkungen auf BAföG
Das Vermögen des Kindes wird bei BAföG-Anträgen berücksichtigt. Der Freibetrag liegt bei 15.000 € für unter 30-Jährige. Alles darüber reduziert den BAföG-Anspruch.
Rechenbeispiel:
- Depotwert mit 18: 25.000 €
- Freibetrag: 15.000 €
- Anrechenbares Vermögen: 10.000 €
- BAföG-Kürzung: ca. 833 €/Monat weniger (10.000 € ÷ 12)
3. Auswirkungen auf Sozialleistungen
Auch bei Bürgergeld oder anderen Sozialleistungen kann das Vermögen des Kindes relevant werden. Bei normalen Familienverhältnissen ist das selten ein Problem, aber es sollte bedacht werden.
4. Schenkungssteuer bei großen Beträgen
Bei Schenkungen über 400.000 € innerhalb von 10 Jahren (Eltern an Kind) fällt Schenkungssteuer an. Für die meisten Familien ist das kein Thema, aber bei Erbschaften oder größeren Einmalzahlungen relevant.
Option 2: Depot auf deinen eigenen Namen
So funktioniert es
Du eröffnest ein ganz normales Depot auf deinen Namen und führst es intern als “Kinderdepot”. Das Geld gehört rechtlich dir, du kannst es später an dein Kind übergeben – wann und wie du möchtest.
Vorteile des eigenen Depots
1. Volle Kontrolle – auch nach dem 18. Geburtstag
Du entscheidest, wann und wie viel Geld dein Kind bekommt. Du kannst:
- Das Geld erst mit 25 übergeben
- Es in Raten auszahlen
- Es für bestimmte Zwecke (Studium, Wohnung) freigeben
2. Keine BAföG-Probleme
Das Vermögen wird dir zugerechnet, nicht dem Kind. Der BAföG-Anspruch deines Kindes bleibt unberührt.
3. Flexibilität bei Familienänderungen
Bei Scheidung, Trennung oder anderen Veränderungen hast du mehr Handlungsspielraum.
Nachteile des eigenen Depots
1. Deine Steuerfreibeträge werden belastet
Die Kapitalerträge werden auf deinen Sparerpauschbetrag (1.000 €) angerechnet. Danach zahlst du 25 % Abgeltungssteuer + Soli.
Rechenbeispiel über 18 Jahre:
- Eingezahlt: 100 € monatlich = 21.600 €
- Endwert (6 % Rendite): ca. 39.000 €
- Gewinn: 17.400 €
- Steuer (wenn Freibetrag ausgeschöpft): ca. 4.500 €
Beim Junior Depot mit NV-Bescheinigung: 0 € Steuer.
2. Vermischung mit eigenem Vermögen
Es kann unübersichtlich werden, wenn du mehrere Ziele (Altersvorsorge, Kindersparen, Notgroschen) im selben Depot führst. Ein separates Unterdepot oder ein zweiter Broker schafft Abhilfe.
Entscheidungshilfe: Welche Option passt zu dir?
Wähle das Junior Depot, wenn:
- Du deinem Kind die Steuervorteile sichern möchtest
- Du darauf vertraust, dass dein Kind mit 18 verantwortungsvoll ist
- BAföG voraussichtlich keine Rolle spielt
- Du monatlich sparst und langfristig denkst
- Der Betrag voraussichtlich unter 100.000 € bleibt
Wähle das eigene Depot, wenn:
- Du maximale Kontrolle behalten möchtest
- Dein Kind voraussichtlich BAföG beantragen wird
- Du größere Summen (Erbschaft) anlegen möchtest
- Du unsicher bist, wie dein Kind mit 18 mit Geld umgeht
- Du das Geld möglicherweise selbst noch brauchst
Der Mittelweg: Zwei Depots kombinieren
Einige Eltern wählen einen cleveren Mittelweg:
- Junior Depot für den Basisbetrag (z.B. 25-50 € monatlich)
- Eigenes Depot für zusätzliche Beträge oder Erbschaften
So nutzt du die Steuervorteile des Junior Depots, behältst aber einen Teil in eigener Kontrolle. Mit 18 bekommt dein Kind einen soliden Grundstock, während du flexibel entscheiden kannst, wann der Rest folgt.
Fazit: Unsere Einschätzung
Für die meisten Familien ist das Junior Depot die bessere Wahl. Die Steuervorteile über 18 Jahre sind erheblich, und der “Kontrollverlust” ist bei guter finanzieller Erziehung beherrschbar.
Der oft genannte Einwand “Mein Kind könnte das Geld mit 18 verpulvern” ist verständlich, aber statistisch selten. Die meisten jungen Erwachsenen, die mit einem Depot aufgewachsen sind, gehen verantwortungsvoll damit um.
Unser Rat: Starte mit einem Junior Depot. Wenn du größere Einmalbeträge anlegen möchtest, prüfe ein separates Depot auf deinen Namen.
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