Hilfe, ich brauche das Geld! Kann ich das Junior Depot kündigen?

Hilfe, ich brauche das Geld!

Die kurze Antwort: Technisch einfach, rechtlich riskant.

Vielleicht kam die Nebenkostenabrechnung 2026 höher aus als erwartet, oder das Auto der Familie hat einen Totalschaden. In solchen Momenten fällt der Blick oft auf das Junior Depot des Kindes, auf dem bereits eine stattliche Summe liegt.

Die Versuchung ist groß: “Ich leihe mir das Geld nur kurz und zahle es später zurück.” Doch Vorsicht: Was technisch mit wenigen Klicks in der Banking-App erledigt ist, kann rechtlich fatale Folgen haben.

Experten-Einschätzung von Oliver Frankfurth: “In meiner Laufbahn habe ich leider oft erlebt, dass Eltern das Junior Depot als eine Art ‘Notgroschen für alle Fälle’ missverstanden haben. Ich kann davor nur eindringlich warnen. Ein Junior Depot ist keine Spardose mit Entnahmefunktion für die Eltern. Sobald das Geld auf dem Konto des Kindes landet, gehört es dem Kind. Wer hier ohne triftigen, kindbezogenen Grund zugreift, begeht rechtlich gesehen einen Diebstahl am eigenen Kind.”


Das Geld gehört dem Kind (ohne Wenn und Aber)

Das ist der wichtigste rechtliche Grundsatz: Mit der Einzahlung auf ein Konto oder Depot, das auf den Namen des Kindes lautet, findet eine Schenkung statt. Das Vermögen geht sofort in das Eigentum des Minderjährigen über.

Deine Rolle: Der Treuhänder

Du als Elternteil (bzw. Erziehungsberechtigter) hast zwar die Vermögenssorge. Das bedeutet aber nicht, dass du über das Geld frei verfügen darfst. Du bist ein Treuhänder. Deine Aufgabe ist es, das Geld im Sinne und zum Wohle des Kindes zu verwalten – und nur dafür.


Was ist erlaubt und was ist verboten?

Die Grenze verläuft dort, wo der Nutzen für das Kind endet und der Nutzen für die Eltern (oder die allgemeine Haushaltskasse) beginnt.

✅ Erlaubte Ausgaben (Beispiele):

  • Ausbildung: Kosten für Nachhilfe, Musikunterricht oder ein Auslandsjahr.
  • Mobilität: Der Führerschein oder das erste eigene Moped/Auto (wenn es auf das Kind angemeldet wird).
  • Gesundheit: Eine teure Zahnspange oder Heilbehandlungen, die nicht von der Kasse übernommen werden.
  • Umschichtung: Der Verkauf von Aktien, um einen anderen ETF zu kaufen.

❌ Verbotene Ausgaben (Absolute Tabus):

  • Alltagskosten: Miete, Strom, Lebensmittel oder Kleidung (dafür ist das Kindergeld und der Unterhalt der Eltern da).
  • Familien-Luxus: Der neue Fernseher oder die Urlaubsreise der gesamten Familie.
  • Schuldentilgung: Wenn die Eltern einen Kredit abzahlen müssen, darf dafür kein Geld vom Kind entnommen werden.
  • Rückholung: “Das Kind ist frech geworden, ich will mein Geld zurück.” – Rein rechtlich ist die Schenkung unwiderruflich (außer bei extremem grobem Undank, was extrem hohe Hürden hat).

Die harten Konsequenzen bei Missbrauch

Wer das Junior Depot zweckentfremdet, riskiert mehr als nur einen Familienstreit.

  1. Rückzahlungspflicht (bis zu 30 Jahre): Das Kind hat mit Erreichen der Volljährigkeit einen Rechtsanspruch auf die Offenlegung der Kontoverläufe. Fehlt Geld, kann das Kind dieses von den Eltern zurückfordern – notfalls per Klage. Dieser Anspruch verjährt erst nach vielen Jahren.
  2. Strafverfolgung: Rechtlich gesehen handelt es sich um Untreue (§ 266 StGB). Wenn das Familiengericht oder das Finanzamt Wind davon bekommt, können strafrechtliche Ermittlungen folgen.
  3. Ärger mit dem Finanzamt: Bei Entnahmen kann das Finanzamt die steuerliche Anerkennung des Junior Depots rückwirkend aberkennen. Die Zinsen und Dividenden müssen dann nachträglich bei den Eltern versteuert werden – inklusive Strafzinsen.

Die “BAföG- und Sozialamt-Falle”

Auch wenn du das Geld entnimmst und “beiseite schaffst”, kann es dich später einholen. Beantragt das Kind später BAföG oder andere Sozialleistungen, prüfen die Ämter oft die Historie der Konten. Wurde ein großes Depot kurz vor der Antragstellung aufgelöst, werten die Behörden dies als rechtsmissbräuchliche Vermögensverschiebung. Das Kind erhält dann keine Förderung, obwohl das Geld (durch die Eltern) verbraucht wurde. Mehr zu den steuerlichen und fördertechnischen Aspekten im Steuer-Ratgeber.


Mein Rat: Trenne deine Töpfe

Wenn du dir nicht 100% sicher bist, dass das Geld für die nächsten 18 Jahre “weg” ist, solltest du eine andere Strategie wählen:

  • Das Junior Depot: Nur für langfristiges Sparen (ETF-Sparplan), das wirklich für das Kind reserviert ist.
  • Das Eltern-Depot: Spare einen Teil auf einen separaten ETF-Sparplan auf deinen eigenen Namen. Dort kannst du jederzeit kündigen, Entnahmen tätigen und das Geld flexibel nutzen, wenn das Leben dazwischenkommt. Erst wenn das Kind 18 ist, kannst du entscheiden, ob du ihm dieses Geld schenkst. Mehr zu den Grundlagen im Junior Depot Guide.

Depotwechsel und Kündigung: Sicherer Ablauf


Fazit: Erst denken, dann buchen

Ein Junior Depot ist ein mächtiges Werkzeug für den Vermögensaufbau, aber es erfordert Disziplin von den Eltern. Betrachte es als eine Einbahnstraße: Geld fließt hinein, kommt aber erst wieder heraus, wenn das Kind erwachsen ist oder eine große, kindbezogene Anschaffung ansteht.

👉 Für die Zukunft deines Kindes – sicher und rechtlich sauber: Zum Junior Depot Vergleich 2026

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Bei konkreten rechtlichen Fragen zum Sorgerecht oder zur Vermögenssorge wende dich bitte an einen spezialisierten Rechtsanwalt.

Über den Autor: Oliver Frankfurth

Bankfachwirt (IHK) mit über 12 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche. Experte für Vermögensaufbau und Junior-Depots.

Bereit für das erste Depot?

Vergleiche jetzt die besten Anbieter für 2026.

Zum Vergleich
Jetzt Depot vergleichen →