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JuniorDepot

Kinderdepot und Sozialleistungen: Was du wissen musst

Kinderdepot und Sozialleistungen: Freibetraege und Anrechnung

Die wichtigste Frage vorweg

Kann ein Kinderdepot dazu führen, dass ich Sozialleistungen verliere?

Kurze Antwort: Ja, kann passieren - aber nur ab bestimmten Grenzen und nicht bei allen Leistungen gleich.

Die wichtigsten Sozialleistungen im Detail:


1. Bürgergeld (ehemals Hartz IV / Arbeitslosengeld II)

Wie wird das Kinderdepot bewertet?

Vermögen des Kindes zählt separat von deinem Vermögen als Elternteil.

Freibeträge für das Kind:

  • Grundfreibetrag: 15.000€ pro Kind (Stand 2024)
  • Altersabhängig: Unter 25 Jahren gilt der niedrigere Satz

Beispiel:

Kind mit 10.000€ im Depot:

  • Freibetrag: 15.000€
  • Depotwert: 10.000€ → Kein Problem - unter dem Freibetrag

Kind mit 20.000€ im Depot:

  • Freibetrag: 15.000€
  • Depotwert: 20.000€
  • Über Freibetrag: 5.000€ müssen erst aufgebraucht werden → Bürgergeld könnte gekürzt/gestrichen werden

Was bedeutet “aufbrauchen”?

Das Jobcenter kann verlangen, dass das Kind sein Depot bis auf den Freibetrag (15.000€) reduziert, um den eigenen Bedarf zu decken.

Aber: Das Depot gehört rechtlich dem Kind - nicht dir!

Wichtig: Du als Elternteil darfst das Geld nicht für deinen eigenen Bedarf verwenden. Nur für das Kind (z.B. Schulmaterialien, Kleidung).

Praxis-Tipp

Wenn du Bürgergeld beziehst:

  • Kinderdepot unter 15.000€ halten
  • Bei Antragstellung: Depot angeben (Verschweigen = Betrug!)
  • Kontoauszüge bereithalten

2. Wohngeld

Gute Nachricht: Wohngeld berücksichtigt kein Vermögen, nur Einkommen!

Was zählt als Einkommen?

  • Ausschüttungen aus ETFs (Dividenden)
  • Zinsen auf Guthaben

Was zählt NICHT?

  • Depotwert selbst
  • Kursgewinne (solange nicht verkauft)

Beispiel:

Kind hat 10.000€ in thesaurierendem ETF:

  • Keine Ausschüttungen
  • Vorabpauschale: ~160€/Jahr
  • Einkommen: 160€/Jahr (vernachlässigbar) → Kein Einfluss aufs Wohngeld

Kind hat 10.000€ in ausschüttendem ETF:

  • Dividenden: ~300€/Jahr
  • Einkommen: 300€/Jahr → Minimaler Einfluss (meist unter Freibetrag von 100€/Monat)

Praxis-Tipp

  • Thesaurierende ETFs wählen (keine Ausschüttungen)
  • Vorabpauschale ist meist unter Freibetrag → Wohngeld-sicher

3. Kinderzuschlag

Kinderzuschlag gibt’s für Eltern mit niedrigem Einkommen (aber über Bürgergeld-Niveau).

Wie wird Vermögen bewertet?

Seit 2023: Vermögen des Kindes wird NICHT geprüft beim Kinderzuschlag.

Nur Einkommen des Kindes zählt:

  • Dividenden
  • Zinsen
  • Nebenjob (falls vorhanden)

Freibetrag: Erstes Einkommen bis 100€/Monat ist anrechnungsfrei.

Beispiel:

Kind hat 20.000€ im Depot (ausschüttend):

  • Dividenden: ~600€/Jahr = 50€/Monat
  • Freibetrag: 100€/Monat → Kein Einfluss auf Kinderzuschlag

Praxis-Tipp

Kinderzuschlag ist depot-freundlich - Vermögen egal, nur Einkommen zählt.


4. BAföG (ab 18 Jahren)

Achtung: Hier wird’s relevant!

Sobald dein Kind 18 wird und BAföG beantragen will, zählt das Depot als eigenes Vermögen.

Freibetrag für Studierende (Stand 2024):

  • 15.000€ Vermögensfreibetrag
  • Darüber: Anrechnung auf BAföG

Beispiel:

Kind wird 18, beginnt Studium mit 19:

Depot bei 18.000€:

  • Freibetrag: 15.000€
  • Überschuss: 3.000€ → BAföG wird gekürzt (Überschuss muss erst aufgebraucht werden)

Depot bei 12.000€:

  • Freibetrag: 15.000€
  • Überschuss: 0€ → Voller BAföG-Anspruch bleibt

Was tun, wenn Depot über 15.000€?

Option A: Teil entnehmen vor BAföG-Antrag

  • Z.B. Führerschein bezahlen (3.000€)
  • Depot auf 15.000€ senken
  • Dann BAföG beantragen

Option B: BAföG-Kürzung akzeptieren

  • Höheres Vermögen behalten
  • Weniger BAföG bekommen
  • Depot wächst weiter

Option C: Mit Kind besprechen

  • Entscheidung liegt beim Kind (mit 18)
  • Gemeinsam Vor- und Nachteile abwägen

5. Kindergeld

Gute Nachricht: Kindergeld ist komplett unabhängig vom Vermögen des Kindes!

Seit 2012 spielt das Einkommen/Vermögen des Kindes keine Rolle mehr fürs Kindergeld.

Kinderdepot hat NULL Einfluss auf Kindergeld.


Vergleichstabelle: Sozialleistungen & Kinderdepot

LeistungVermögen zählt?FreibetragEinkommen zählt?
Bürgergeld✅ Ja15.000€✅ Ja
Wohngeld❌ Nein-✅ Ja (Dividenden)
Kinderzuschlag❌ Nein-✅ Ja (>100€/Monat)
BAföG (ab 18)✅ Ja15.000€✅ Ja
Kindergeld❌ Nein-❌ Nein

Strategien: Sozialleistungen & Depot kombinieren

Strategie 1: Unter Freibetrag bleiben

Ziel: Depot unter 15.000€ halten

Wie?

  • Sparrate anpassen (z.B. 50€ statt 100€/Monat)
  • Bei 14.000€: Sparplan pausieren
  • Erst nach Sozialleistungs-Phase weitersparen

Geeignet für: Bürgergeld-Bezieher

Strategie 2: Thesaurierende ETFs nutzen

Ziel: Einkommen minimieren

Wie?

  • Nur thesaurierende ETFs (keine Ausschüttungen)
  • Vorabpauschale ist meist unter Freibetrag
  • Kein Verkauf (keine realisierten Kursgewinne)

Geeignet für: Wohngeld, Kinderzuschlag

Strategie 3: Timing vor BAföG

Ziel: Depot auf 15.000€ senken vor Studium

Wie?

  • Mit 17: Depot-Stand prüfen
  • Überschuss für Führerschein/Reise nutzen
  • Mit 18: Depot bei ~14.000€
  • Mit 19: BAföG beantragen → voller Satz

Geeignet für: Studierende


Häufige Fehler vermeiden

Depot verschweigen

  • Gilt als Betrug
  • Nachzahlung + Strafe droht
  • Immer ehrlich angeben!

Geld für Eltern verwenden

  • Depot gehört dem Kind
  • Nicht für eigene Zwecke nutzen
  • Nur für Bedarf des Kindes

Keine Belege aufheben

  • Kontoauszüge sammeln
  • Nachweise für Verwendung
  • Bei Prüfung vorlegen können

Transparent sein

  • Bei Antragstellung angeben
  • Nachfragen beantworten
  • Rechtslage kennen

Checkliste: Sozialleistungen & Depot

  • Welche Sozialleistung beziehe ich?
  • Wie hoch ist der Freibetrag?
  • Aktueller Depotwert unter Freibetrag?
  • Thesaurierender oder ausschüttender ETF?
  • Jährliche Dividenden/Vorabpauschale berechnet?
  • Depot bei Antragstellung angegeben?
  • Belege/Kontoauszüge vorhanden?
  • Kind über BAföG-Auswirkungen informiert (ab 16)?

Fazit

Kinderdepot und Sozialleistungen KÖNNEN sich beißen - müssen aber nicht.

Wichtig:

  1. Freibeträge kennen (meist 15.000€)
  2. Transparent sein (niemals verschweigen!)
  3. Thesaurierende ETFs wählen (minimieren Einkommen)
  4. Timing beachten (besonders vor BAföG)

Gut zu wissen: Für die meisten Familien ist ein Kinderdepot bis ~12.000€ unproblematisch - auch mit Sozialleistungen.

Tipp: Bei Unsicherheit → Sozialberatung oder Anwalt für Sozialrecht konsultieren.

Oliver Frankfurth
Über den Autor: Oliver Frankfurth

Bankfachwirt (IHK) mit über 12 Jahren Erfahrung in der Finanzbranche. Experte für Vermögensaufbau und Junior-Depots.

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